Freitag, 3. Februar 2012

Hart am Wind

Neben den üblichen am häufigsten gestellten Fragen nach Telefonnummer, Schneider, Frisör und plastischem Chirurgen taucht gelegentlich auch die nach meinem Hang zu Extremsportarten auf.
Was, so wird kopfschüttelnd bemerkt, bringt jemanden dazu, zur Hauptverkehrszeit auf den Barceloneser Ramblas Speed-Skating zu betreiben, bei Windstärke 8 sein Leben einem kleinen Drachen, Geschirr und einem Brett anzuvertrauen oder sich verschneite Hänge mit 60 % Gefälle runterzustürzen?
Von Pussy-Geschichten wie Bungee-, Klippen-  oder Fallschirmspringen wollen wir gar nicht erst reden.
Bin ich ein Wahnsinniger, ein Psychopath, Norman Bates in Turnhose?
Lebensmüde? Dumm? Adrelaninsüchtig? Unzufrieden? Nicht erfüllt von den normalen Anforderungen des Lebens? Gaga und doch so wenig ladylike?
Zur Erörterung dieser diffizilen Angelegenheit empfiehlt sich ein kurzer Rückblick auf des Autoren Vita. Wir richten unser Augenmerk auf das Jahr 1978, wo er fünfzehnjährig an der adriatischen Küste der neckischen Insek Krk ("ich kaufe einen Vokal") steht und den Windsurfern sehnsüchtig hinterherschaut.
Seine Eltern haben ihn auf hinterhältigste Weise dorthin gelockt, ein nicht wieder zu vergessener Urlaub sollt es werden, so die schwammigen Versprechen. Bestimmt hatten sie nicht den Eindruck der brustbehaarten einheimischen Frau gemeint, die sich dort nach vollbrachter Tagesmüh dem Sonnenbad und der Lächerlichkeit preisgab.
Geschockt lief er zum Surfbrett- und Segelbootverleih und liess den Verleiher wissen, er sei in etwa 1 Stunde wieder da. Wenn nicht, solle der die Polizei rufen. Der verstand keinen Spass, kein Deutsch, kein Englisch; fast hätte man meinen können, in Sachsen-Anhalt und nicht im damaligen Jugoslawien zu sein.
Lieblos liess er Board und Segel ins Wasser platschen, kassierte den vereinbarten Obolus und überliess unseren jungen Seebären den Mächten der See.
Die sollten sich schon recht bald in Form einer garstigen Strömung bemerkbar machen, die Brett samt Surfer auf das offene Meer zog und als er meinte, auf einer Anhöhe die Akropolis gesichtet zu haben, hielt er es für angebracht, den geordneten Rückzug anzutreten, der ihm nur leider verwehrt wurde, weil er so überhaupt keinen Schimmer hatte, was er da tat.
"Surfen für Dummies" war damals noch nicht geschrieben und er konnte das Segel stellen, wie er wollte - irgendwie  trieb es ihn immer weiter landabwärts, sodass ihn ein temporärer Anfall von akutem Heimweh befiel und zu dem Entschluss  führte, sein Glück und das des Equipments fortan schwimmend zu suchen.
Einarmig, weil am anderen ja besagtes Equipment hing, nahm der Rückweg etwa 3 Stunden in Anspruch und hätte ihn Neptun nicht ständig mit dem Dreizack gepiesackt, würde er wohl nie das rettende Ufer erreicht haben, wo der Verleiher heftig gestikulierend stand, ständig auf eine imaginäre Armbanduhr klopfte, ansonsten aber keinerlei Anstalten machte, sich das Schicksal des völlig Entkräfteten zu Herze zu nehmen oder ein Boot zu Wasser zu lassen.
Schwer enttäuscht ob der mangelnden Empathie schlug unser Schwimmsurfer vor, der Verleiher könne ihn am Arsch lecken. Oder ihm ein paar Zähne aus, die Erzählungen gehen da leicht auseinander.
Jedenfalls begab er sich in die Obhut seiner Eltern, schwor sich, das Navigieren  mit unbekanntem Gerät zu erlernen und Kroatien  von da ab weiträumig zu meiden.
Der Mittelteil ist ihm gelungen und zwar so gut, dass er schon bald drauf eine entsprechende Lehrer-Prüfung absolvierte und in den frühen 80ern seinen Australienaufenthalt überwiegend damit verdiente, anderen mittelmässigen Langstreckenschwimmern das Surfen beizubringen.
Nach jeder weiteren Phase des Erlernens komplizierter Techniken aber fühlte er sich berufen, weitere, noch ausgefallenere zu proben.
Irgendwann kommt der Punkt, wo man nur noch gegen sich selber kämpft und jeder Sieg ist ein Sieg über das stärkste Wesen in deiner Umgebung: dich selbst.
Amen.

Kommentare:

Yeah! hat gesagt…

Schöne alte kleine Geschichte, danke :)

Versteh zwar nicht richtig warum du nach der Aktion so an gefixt warst, aber du lebst ja noch, alles gut "weiter machen" ^^

Verdummt in alle Ewigkeit hat gesagt…

Weil ich *lufthol* es verdammt nochmal nich abkann, was nich zu können...und so ungern fast ersaufe. Eigentlich wollt ich ja was zum Freeriden schreiben, aber da hätt ich mich dem Vorwurf des völlig Beklopptseins ausgeliefert...^^

Yeah! hat gesagt…

"...Eigentlich wollt ich ja was zum Freeriden schreiben, aber da hätt ich mich dem Vorwurf des völlig Beklopptseins ausgeliefert...^^"

meinst du nicht das ist ein bisschen spät ?

P. hat gesagt…

Frage mich gerade, ob ich bzw. mein Kommentar zensiert wurde - dabei habe ich wirklich versucht, nicht zu bösartig zu sein - oder ob ich zum Abschicken zu doof war.
Da Letzteres irgendwie ausgeschlossen ist und ich mir das nicht vorstellen kann ... EY! Was hab ich dir getan? Wieso lässt du mich nicht kommentieren? *sniff*

Verdummt in alle Ewigkeit hat gesagt…

Du musst jetzt ganz stark sein - du scheinst tatsächlich zu doof zum Abschicken zu sein...weil ich lieb ja bösartige Kommis.
Vielleicht boykottiert dich Blogspot aber auch nur, weilde bei som minderbemittelten Hoster daheim bist...who knows?^^

Mika hat gesagt…

Reeespekt. Glaub ich wär beim Anblick von zu viel Wasser in latente Panik ausgebrochen; allerdings besteht die Gefahr dieser Situation für mich auch nicht so wirklich, weil ich gar nicht erst aufs Wasser pflüge... trotzdem: Hut ab. Bzw Badekappe. Gabs da keine Haie? ;D

Verdummt in alle Ewigkeit hat gesagt…

Danach nicht mehr^^

P. hat gesagt…

Ne. Die werden sich vor Lachen .. tschuldigung .. vor lauter Trauer, weil sie dir nicht hätten helfen können (?), in die Tiefen des Ozeans zurückgezogen haben, um auch jetzt noch ein Mal im Jahr deiner zu gedenken.
Du hättest bestimmt lecker geschmeckt.
***
Und was ist jetzt mit'm Freeriden? Ich mein, da es für den Vorwurf des Bekloptseins eh zu spät ist? (Das steht da so!) Also erzähl?

Verdummt in alle Ewigkeit hat gesagt…

Freeriden: guckstu oben.
Nebenbei bemerkt glaube ich, du hast zuviel Flipper geguckt.^^

P. hat gesagt…

Nein, definitiv nicht. Eher zu wenig. Ich hab von diesem Delphinkauderwelsch in den hohen Tonlagen immer Kopfschmerzen bekommen.
Da war das A - Team cooler.