Samstag, 8. September 2012

Der Untergang des Abendlandes

Ich gehöre ja zu diesen altmodischen Menschen, die unaufgefordert "Guten Tag", "Moin", "Tschüss", "Auf Wiedersehn", "Bitte" und auch "Danke" sagen, wenn´s denn angebracht scheint. Kost ja nix und macht neben ´nem prima Teint auch ebensolches Karma, was ich zwar nicht wirklich brauche, aber man weiss ja nie.

Nun ist mir allerdings aufgefallen, dass die Jugend, die ich aus noch relativ aktuellem Anlass altersmässig zwischen 12 und 49 ansiedel, nicht mehr grüsst und zwar nicht nur mich nicht, was noch einigermassen begreiflich wäre, sondern allgemein.
Da schlenderste in dem 3000 Seelen-Kaff die lokale 5th Avenue entlang, bummelst Schaufenster mit fleischhauenden Fleischhauern oder holzschnitzenden Holzschnitzern darinnen und ein jeder jenseits der 50 hebt die Hand zum Grusse oder quetscht sich gar ein paar Laute raus, die man mit einigem Wohlwollen als Salut interpretieren kann, wohingegen das junge Gemüse nichtmal ein Augenzucken für dich übrig hat.
Die Ohren zugestöpselt und mit Bieber, Adele oder den krachledernen Schlumpfschneutzlern beschallt, die Augen festgetackert am Iphone, um ja keine soziale Interaktion zu verpassen, huschen sie an einem vorbei.

Das darf nicht sein, daher meine Bitte: Grüsst gefälligst, ihr Penner,

denn


Freitag, 7. September 2012

Der Arschlochvogel

Dem aufmerksamen Pedanten wird´s vielleicht schon mal aufgefallen sein, dass ich mich hier nur nachts oder gar frühmorgens aufhalte und die Welt mit Kommentaren und/oder Posts beweisheitere.
Das hat Gründe, die jetzt näher auszuführen ich aber keinen Bock habe, nur  soviel: Wir befinden uns hier nur evolutionstechnisch gesehen in einer anderen Zeitzone, folglich sind die Zeitangaben korrekt, was wiederum auf allgemeine Nachtaktivität meinerseits schliessen lässt, die morgendliches Schlafen erfordert.
So wollt ich auch gestern tun, allein ein Piepmatz hatte da wohl was gegen. Unterm Dachfirst sass ein Spatz, Rotkehlchen, Falke, Adler, Airbus (vermutlich Zutreffendes bitte ankreuzen, kenn mich da nicht so aus) und dachte, zwitschern zu müssen, wohingegen ich friedlich und stumm in meinem Bettchen verweilte.
Ich zum Fenster:
"Hau ab, du Drecksviech, will pennen!"
"Tschiep?"
Suche was zum Werfen, find aber nix. Wieso hab ich keine Wurfgeschosse in meinem Schlafgemach? Da ist Aufrüstung angebracht, ein DIY-Nato-Doppelbeschluss wird gleich mal mental ratifiziert.
Bis dahin schlage ich aber erstmal das Fenster laut zu. Tweety fliegt weg. Ich zurück in die  Kiste.
Etwa 5 Minuten später, das Sandmännchen schickte sich an, Feierabend zu machen, war er wieder da.
"Tschieptschieptscherieptschieptschiep."
Schmeisse einen Schuh in seine Richtung.
Vogel weg, Schuh auch. Schnell was angezogen, Schuh wiederholen, treffe Nachbarn.
"Wos mochsten du da? Solltest net schlofen?"
Ich werde ihn erschlagen. Eines schönen Tages werde ich ihn erschlagen. Mit einem Kantholz. Aber nicht jetzt. Jetzt bin ich zu müde.

Man könnte, wenn man denn wüsste, was es heisst,  ja antizipieren, ich hingegen  mach´s kurz:
Nach 2 ähnlich gelagerten Fortsetzungen schnappte ich mir Kissen und Bettzeug und legte müdes Haupt samt zugehörigem Körper aufs Sofa im benachbarten Wohnzimmer.
Schon bald schlief ich ein und träumte von halben Hähnchen und wie ich grad herzhaft in eins reinbeissen will, da klingelt der Wecker.
Guten Morgen, Welt.
Wie ich das Bettzeug zurück ins Schlafzimmer  bringe, sitzen da 2 von denen auf der Fensterbank und tschiepen sich an.
Kriegt man für Doppelmord eigentlich mehr aufgebrummt?

Donnerstag, 6. September 2012

Wer Gutes tut, darf auch mal drüber reden

Wie ihr ja alle wisst oder es zumindest erahnen könnt, ist  "Verdummt in alle Ewigkeit"  das Blog für praktisch angewandte Lebenshilfe.
Immer der Prämisse des intuitiven Altruismus´ folgend, werden hier Weisheiten und Erkenntnisse vermittelt, für die ihr sonst stunden- , ja wenn nicht sogar tagelang selber leben müsstet.
Den männlichen Lesern  sei heute ans Herz gelegt, dass man auf die Frage, warum man nicht die Paralympics im Fernsehn verfolge, keinesfalls :" Wieso denn, ich guck ja auch keinen Frauenfussball." antworten möge, jedenfalls nicht, wenn es sich um eine Fragestellerin handelt.
Das kann mitunter zu leichten Verstimmungen führen und ist dem  Betriebsklima abträglich, es sei denn, ihr habt keine mehr oder weniger mitarbeitenden Zicken.

Wie weit ich dagegen schon in den Bemühungen gekommen bin, der nachfolgenden Generation meine Werte und Ziele weiterzugeben, ist sehr gut an einem meiner Direktoren zu sehen, der sein leichtes Zuspätkommen mit einer äusserst guten Tat rechtfertigen konnte:
Gestern Nacht nämlich, als ihm der Sinn nach Hochprozentigem stand, führte ihn sein Weg in eine Diskothek und dort, wie er mir unter Tränen der Rührung gestand, wurde er einer offensichtlich aus einem ehemaligen Ostblockstaat stämmigen jungen Frau angesichtig, die so arm gewesen sein muss, dass sie sich nur ganz wenig Kleidung leisten konnte und -wohl aufgrund mangelnder Ernährung- auch nicht gerade übergewichtig war. Ich könne mir ja gar nicht vorstellen, fuhr er fort, wie ihn das emotional aufgewühlt hätte und aus Mitleid habe er sich gezwungen gesehen, das Mädchen vor den überall lauernden Gefahren schützen zu müssen und  sie daher zu sich mit nach Hause genommen, ihr eine warme Mahlzeit und ein Lager für die Nacht geboten.
Mei...meine Schule. Ich bin so stolz.

(Und  "solche Hupen"  hätte die gehabt, aber ich habe ihm geraten, das besser nicht an die grossen Glocken zu hängen)

Mittwoch, 5. September 2012

Von armen Seelen, asozialen Netzwerken und dummen Wissenschaftlern

Wieviel ist die Aussage zur Dummheit internetnutzender Menschen wert, die ziemlich augenscheinlich von jemandem kommt, dessen IQ kleiner ist als seine Schuhgrösse? Nix, niente, nada - genau.
Wieso fühlen sich zerebral besser Ausgestattete veranlasst, darauf kilometerlange Antworten zusammenzuschustern?
Das ist doch alles ganz einfach: Schlaue Menschen werden, sofern sie das Netz schlau nutzen, schlauer, dumme hingegen verharren in ihrem Zustand oder verschlimmern ihn sogar noch.
Was gibts da bitteschön zu diskutieren? Wozu muss man da empirische Studien veranlassen, auswerten oder sich auf sie berufen?
Wenn jemandem die geistigen Fähigkeiten fehlen, Informationen zu filtern, sie in Relation zu setzen oder überhaupt nur den anzunehmenden Wahrheitsgehalt zu ermitteln, dann ist das WWW mit Sicherheit der falsche Ort, um diese Defizite auszugleichen, die ihm die Natur von vornherein mitgab oder er sich mühsam in der Konsolenabteilung von Saturn angeeignet hat, während seine Mitschüler büffelnd im Klassenzimmer schwitzten.
Weiss jemand dagegen, was Schrott, reine PR, Werbung oder versuchte Indoktrination ist und was zumindest einigermassen seriös daherkommt, kann ihm der Informationsüberfluss einen Mehrwert bringen.
Ferdich is die Laube.
So.
Ich kann den Faust lesen oder damit Fliegen erschlagen, wie ich das auch mit der Vierbuchstabenzeitung machen kann.

Ich kann ein soziales Netzwerk oder eine x-beliebige Plattform nutzen, um mich mit Gleich- oder auch Fremdgesinnten auszutauschen, Fakten oder Meinungen zu erhalten oder auch meinen Selbstmord anzukündigen, wie offenbar gestern resp. vorgestern auf Twitter geschehen.
Und nun ist die Schlacht zwischen Gut und Böse voll entbrannt.
Die Guten - das sind die, die Depressionen ernstnehmen, die die Polizei verständigen und, da das alles nichts gebracht hat, Mitgefühl demonstrieren.
Seitenlang.
Die Bösen - das sind die Zyniker, die die offenbar bewusst noch das Vorhaben forciert haben sollen und denen jegliche Empathie fehlt.
140 Zeichen lang.

Das Eine wie das Andere findet sich im virtuellen wie auch im realen Leben und denen, die den Ernst der Lage nicht erkannt haben, hier jetzt bösen Willen zu unterstellen, finde ich ein bisschen heftig, meine Lieben.
Die Fehler werden zunächst mal im normalen, realen Umfeld zu suchen sein und nicht im Netz, wo es ungleich schwieriger sein dürfte, herauszufinden, wie ernst es jemandem mit so einer Androhung ist.
Antennen funktionieren ab einer gewissen Distanz nicht mehr, zumal die meisten der dort Funkenden eh schon überfordert sein dürften, ihre eigenen Signale zu deuten.

Die Masse ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft mit fast allen ihren Facetten.
Und kein Psychologe.

Montag, 3. September 2012

Blockade gecancelt

 
aus alt



mach neu


Gestern wurde ich, man sagte mir, es sei zu meiner eigenen Sicherheit, kurzfristig evakuiert und in den naheliegenden Forst verbracht, wo ich ein wenig des Waldspazier- und Müssiggangs frönen sollte, bis der zuständige Computerfraggle fertig und wieder seines gut bezahlten Weges gegangen sei, auf dass ich ihm nicht die Kniescheibe ohne Narkose, wie telefonisch angekündigt, entfernen würde.

Man kann doch wohl erwarten, dass so ein Scheiss-System zumindest mal einen halben Tag lang einwand- und störungsfrei läuft, oder? Auch sonntags. Gerade sonntags. Oder ist  so ein Programm etwa gläubig und darf aus religiösen Gründen seinen Dienst nicht verrichten?

Mit der Geduld ist es ja so eine Sache:

Fliegt so ´ne Tastatur bei mir schonmal gerne nach 2 Minuten aus dem Fenster, kann ich andererseits stunden-, wenn nicht gar tagelang Mobiliar zimmern, hier noch ein bisschen sägen oder hobeln, da noch schmirgeln und raspeln - hach, es ist eine Freude.

Und wie ich nu so unter den Bäumen lustwandelte, überkam mich des Philosophen Geist und die Frage, warum die Bäume da so nutzlos in der Gegend rumstanden, während die Borkenkäfer in Afrika fürchterlichen Hunger litten. Oder so.

Jedenfalls erleuchtete ein Geistesblitz den dunklen Wald und ich beschloss unwiderruflich, bei nächster Gelegenheit einen Schrank bauen zu wollen, der a) seinesgleichen sucht und b) ein Masterpiece werden soll.

Und so soll es sein.

Hugh!

Aber jetzt bzw. gleich macht sich Häuptling verirrter Pfeil auf, um mit dem stählernen Dampfross in die grosse Siedlung des weissen Mannes mit den steinernen  Tipis zu reiten.


Wusstet ihr eigentlich, dass Freud lange in Wien wirkte? Den wird´s da schon gebraucht haben...



Bilder von www.vebidoo.de
und             www.echtholz.at 










Sonntag, 2. September 2012

It´s all so quiet

Beim Stormen meines Brains stiess ich auf etwas sehr Merkwürdiges: Trotz intensivster Bemühungen ist es mir bisher nicht gelungen, mich von einer Schreibblockade befallen zu lassen und das macht mir schon Sorgen, weil so wird das ja nie was mit der grossen Schriftsteller-Karriere.
Deshalb tu ich jetzt einfach mal so, als ob.

Samstag, 1. September 2012

H + M mal anders

Missgünstige Zeitgenossen behaupten ja gerne, ich sei, als die Sensibilität verteilt wurde, erst kurz nach Schalterschluss eingetroffen, was aber gar nicht sein kann, denn wer, wenn nicht ich, trägt die Feinfühligkeit geradezu  auf dem silbernen Tablett vor sich her?
Beweis gefällig?
Nun, ich habe ja eine recht ausgeprägte Vorliebe für gute Literatur, weshalb ich zum Beispiel nichts von Herta Müller lese, die, so meine feste Überzeugung, 2009 den Literaturnobelpreis nur bekommen hat, weil sich das Komitee auf niemanden Vernünftigen hat einigen können und daher  jemanden mit Allerweltsnamen und ebensolchem Talent zum Gewinner erklärte.
Wer jetzt glaubt, ihr neuestes Machwerk, ein im Erpresserbrief-Stil gehaltener Collagenband, "Vater telefoniert mit den Fliegen" betitelt und bei Hanser statt einem, wie ich vermuten würde, Zuschussverlag erschienen, würde auch nur ein einziges feines Gefühl bei mir erwecken, der liegt. Und zwar daneben. Aber sowas von.
Sensibilität und Sensitivität, nämlich meine, werden bis aufs Äusserste strapaziert, wobei ich grad mal 2 Sätze davon gelesen habe.
Semidebile Aussagen, die mich sehr, sehr stark an die 80er Jahre Non-Jokes wie "Zu Fuss ist kürzer als übern Berg" oder auch "Nachts ist´s kälter als draussen" erinnern, wurden stümperhaft zusammengepappt und erzeugen bei mir nur totale Verwunderung, nämlich darüber, wer für sowas Geld ausgibt.
Als Blogpost wär´s so naja, weil umsonst, als Buch ´ne Zumutung.
Wenn Sie noch kein Weihnachtsgeschenk für den netten Nachbarn mit dem Benzin-Rasenmäher, der immer erst um 21:00 nach Hause kommt, haben, kann ich Ihnen Herta Müller im Allgemeinen, ihr neuestes Buch im Besonderen, wärmstens empfehlen.
Er wird ausziehen,  100 Pro.