Als es anfing, feste Konturen anzunehmen, war ich grad in Paraguay und wie ich so den Fernseher einschalte, da seh ich doch Leute auf der Berliner Mauer rumturnen, Trabbis, vollbesetzt mit glücksstrahlenden Menschen, denen grösstenteils Wildfremde Bananen und Schokolade verabreichen.
In bedenklichen Dosen, aber das mal nur so nebenbei.
Ich bat meinen Cousin zu übersetzen, denn irgendwie mochte ich noch nicht so recht daran glauben, grad nicht veräppelt zu werden. Sein Erstaunen war noch sehr viel grösser, war er doch schon 15 Jahre weg aus Deutschland und die Vorgänge dort wurden in paraguayanischen Medien bestenfalls am Rande erwähnt.
Er bestätigte: Die Mauer war offen!
Anruf in Deutschland: Ja, es stimmt, hier ist die Hölle los. Zehntausende, wenn nicht gar noch mehr, reisten ungehindert in den Westen.
Wir stiessen mit einem lamapisseähnlichen Gebräu an und umarmten uns.
Das war am 09. November 1989 und knapp ein Jahr später, an ebenjenem 03. Oktober 1990, vollzog sich die von uns lapidar "Wiedervereinigung" genannte Zusammenführung und bescherte uns einen Feiertagstausch. Und jede Menge Ärger.
Jedem, der schonmal Fliegen mit einem Volkswirtschaftslehre-Buch erschlagen hatte, musste klar sein, wie sehr eine Angleichung der Lebensumstände auf beiden Seiten zu erheblichen Verlusten führen würde.
Hüben wie vormals drüben.
Ganoven aus dem Westen machten sich auf ins neue El Dorado, liessen sich Bier für 65 Pfennig schmecken und zockten nebenbei jeden ab, der nicht bei drei in seiner Platte war, die alten und auch nicht ganz so alten Kader dort sicherten sich Pöstchen und verarschten die Treuhand.
Ein Hauen und Stechen, bis am Ende in West und Ost die Verlierer feststanden.
Statt blühender Landschaften gab´s verwundete Seelen, verlorene Arbeitsplätze und derart bodenlose Fässer zu stopfen, wie sich das wohl niemand vorher ausgemalt hätte
Heute, genau 22 Jahre später, darf feiern, wem danach zumute ist, wobei mir spontan Chanel tragende Linke in den Sinn kommen, denen die Wende gutbezahlte Abgeordnetensitze eingebracht hat, für die sie nichts weiter tun müssen, als ein bisschen zu lamentieren, Spekulanten, grosse Firmen und ähnliches Geschmeiss, das immer als Erster da ist, wenn`s irgendwo Leichen zu fleddern gibt.
Die Kanzlerin natürlich auch. Gauck. Und noch ein paar mehr von denen, die die Gunst der historischen Stunde nutzen konnten.
Auf der negativen Seite verbuchen wir die hohe Arbeitslosigkeit, der die Agenda 2010 und somit die Hartz-Gesetze folgten, die durch Frankreich und England nunmehr forcierte und völlig übereilte Einführung des Euro mit seinen heute mehr als zuvor sichtbaren Auswirkungen.
Nicht zu vergessen die Menschen, die da wie dort durchs Raster fielen und das immer noch tun.
Ich denke, es fällt schwer, sich zu freuen, dass man zwar jetzt nach Malle oder Hawaii fliegen könnte, aber leider kein Geld dafür hat und dass die Merzedesse nicht auf Plantagen wachsen, wo sie nur darauf warten, gepflückt zu werden...nunja, diesem Irrglauben sind schon ganz Andere aufgesessen.
Es gibt noch viel zu tun, auch und gerade 22 Jahre danach und ich wünsche mir, dass mein Text zum 30. Jahrestag anders ausfallen möge.
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Mittwoch, 3. Oktober 2012
Samstag, 1. September 2012
H + M mal anders
Missgünstige Zeitgenossen behaupten ja gerne, ich sei, als die Sensibilität verteilt wurde, erst kurz nach Schalterschluss eingetroffen, was aber gar nicht sein kann, denn wer, wenn nicht ich, trägt die Feinfühligkeit geradezu auf dem silbernen Tablett vor sich her?
Beweis gefällig?
Nun, ich habe ja eine recht ausgeprägte Vorliebe für gute Literatur, weshalb ich zum Beispiel nichts von Herta Müller lese, die, so meine feste Überzeugung, 2009 den Literaturnobelpreis nur bekommen hat, weil sich das Komitee auf niemanden Vernünftigen hat einigen können und daher jemanden mit Allerweltsnamen und ebensolchem Talent zum Gewinner erklärte.
Wer jetzt glaubt, ihr neuestes Machwerk, ein im Erpresserbrief-Stil gehaltener Collagenband, "Vater telefoniert mit den Fliegen" betitelt und bei Hanser statt einem, wie ich vermuten würde, Zuschussverlag erschienen, würde auch nur ein einziges feines Gefühl bei mir erwecken, der liegt. Und zwar daneben. Aber sowas von.
Sensibilität und Sensitivität, nämlich meine, werden bis aufs Äusserste strapaziert, wobei ich grad mal 2 Sätze davon gelesen habe.
Semidebile Aussagen, die mich sehr, sehr stark an die 80er Jahre Non-Jokes wie "Zu Fuss ist kürzer als übern Berg" oder auch "Nachts ist´s kälter als draussen" erinnern, wurden stümperhaft zusammengepappt und erzeugen bei mir nur totale Verwunderung, nämlich darüber, wer für sowas Geld ausgibt.
Als Blogpost wär´s so naja, weil umsonst, als Buch ´ne Zumutung.
Wenn Sie noch kein Weihnachtsgeschenk für den netten Nachbarn mit dem Benzin-Rasenmäher, der immer erst um 21:00 nach Hause kommt, haben, kann ich Ihnen Herta Müller im Allgemeinen, ihr neuestes Buch im Besonderen, wärmstens empfehlen.
Er wird ausziehen, 100 Pro.
Beweis gefällig?
Nun, ich habe ja eine recht ausgeprägte Vorliebe für gute Literatur, weshalb ich zum Beispiel nichts von Herta Müller lese, die, so meine feste Überzeugung, 2009 den Literaturnobelpreis nur bekommen hat, weil sich das Komitee auf niemanden Vernünftigen hat einigen können und daher jemanden mit Allerweltsnamen und ebensolchem Talent zum Gewinner erklärte.
Wer jetzt glaubt, ihr neuestes Machwerk, ein im Erpresserbrief-Stil gehaltener Collagenband, "Vater telefoniert mit den Fliegen" betitelt und bei Hanser statt einem, wie ich vermuten würde, Zuschussverlag erschienen, würde auch nur ein einziges feines Gefühl bei mir erwecken, der liegt. Und zwar daneben. Aber sowas von.
Sensibilität und Sensitivität, nämlich meine, werden bis aufs Äusserste strapaziert, wobei ich grad mal 2 Sätze davon gelesen habe.
Semidebile Aussagen, die mich sehr, sehr stark an die 80er Jahre Non-Jokes wie "Zu Fuss ist kürzer als übern Berg" oder auch "Nachts ist´s kälter als draussen" erinnern, wurden stümperhaft zusammengepappt und erzeugen bei mir nur totale Verwunderung, nämlich darüber, wer für sowas Geld ausgibt.
Als Blogpost wär´s so naja, weil umsonst, als Buch ´ne Zumutung.
Wenn Sie noch kein Weihnachtsgeschenk für den netten Nachbarn mit dem Benzin-Rasenmäher, der immer erst um 21:00 nach Hause kommt, haben, kann ich Ihnen Herta Müller im Allgemeinen, ihr neuestes Buch im Besonderen, wärmstens empfehlen.
Er wird ausziehen, 100 Pro.
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